„Ein kleines Wunder“

Zu Besuch in Rethem: Wirtschaftsminister Olaf Lies verschafft sich Überblick über Egra

Wirtschaftsminister Olaf Lies und Sebastian Zinke im Gespräch mit  Herrn Hennchen/Freqcon GmbH in Rethem
Wirtschaftsminister Olaf Lies und Sebastian Zinke im Gespräch mit Norbert Hennchen/Freqcon GmbH in Rethem

RETHEM. Von der Ruine zur Rendite – so beschreiben die Personen hinter der 2013 gegründeten Energieund Gewerbepark Rethem/ Aller GmbH & Co. KG, kurz Egra, ihr Vorhaben, aus der einstigen Asbest- Ruine Toschi-Gelände einen florierenden und Giftfreien Wirtschaftsstandort zu entwickeln. Mit dem niedersächsischen Wirtschaftsminister Olaf Lies, der im Rahmen des Wahlkampfs auf Einladung des SPD-Landtagskandidaten Sebastian Zinke am Sonnabend Station in Rethem machte, hat die Egra längst einen einflussreichen Fan. „Eine bessere Konversion als dieses Projekt“, stellte Lies klar, „habe ich noch nicht gesehen.“ Dass die Umsetzung auch noch in „so kurzer Zeit“ – innerhalb von drei Jahren – erfolgt sei, bezeichnete er zudem als „kleines Wunder“. 

Dieter Moll, einer der drei Egra-Geschäftsführer, stellte die bisherigen Phasen und Vorhaben für die Zukunft des Vorzeigeprojekts, dessen Ziele Ankauf, Verwaltung und Verwertung von Gewerbegebieten sind, vor. Die Summe der privaten Einlagen belaufe sich mittlerweile auf 1,155 Millionen Euro. 53 Anteile seien von 22 Personen gezeichnet worden. 

Moll blickte auf die abgeschlossene Phase eins zurück, während der die Egra das Oberflächenentwässerungssystem erneuert, asbesthaltige Gebäudeverkleidungen und -anlagen entsorgt – unter anderem mittels einer eigens angelegten Asbesthalde – und die Außenanlagen und maroden Gebäudeteile der alten Toschi-Produktionshalle mit Bürotrakt auf rund 6600 Quadratmetern Nutzfläche erneuert hatte. Mittlerweile seien dort 63 Personen in Vollzeit beschäftigt. Insgesamt sei in Phase eins sogar Infrastruktur für 80 Arbeitsplätze geschaffen, aber „nur“ mit der Schaffung von 50 Stellen gerechnet worden. 

Dieter Moll/EGRA und Landtagskandidat Sebastian Zinke begrüßten Wirtschaftsminister Olaf Lies in Rethem
Dieter Moll/EGRA und Landtagskandidat Sebastian Zinke begrüßten Wirtschaftsminister Olaf Lies in Rethem

Nun sei die Vorbereitung von Phase zwei in der Endphase. Sie sah zunächst die Herrichtung und Parzellierung weiterer riesiger Hallen auf dem früheren Toschi- Gelände im Bereich der Einfahrt von der Hainholzstraße (hinter dem Roland, Sinnbild der Stadtrechte, der übrigens auch aus Asbest ist) vor. „Die Planungsfirma hat aber einen Totalabriss und Neubau empfohlen“, teilte Moll mit. Die Egra plane, dieses Vorhaben in zwei Schritten mithilfe von Fördermitteln aus Bund und Land (Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur, GRW) zu stemmen. Im ersten Schritt gehe es um die Entsorgung der komplett asbestverseuchten Hallen und Böden sowie eine Parzellierung – Ziel sei es, drei Parzellen für Gebäude mit je 1500 bis 2500 Quadratmeter Grundfläche zu schaffen, „mit Vergrößerungsmöglichkeiten“. Moll bezifferte die geschätzten Gesamtkosten auf 3,25 Millionen Euro, wobei die Egra angesichts einer 90-prozentigen Förderung, so die Hoffnung, 325.000 Euro gegenfinanzieren müsste. Im zweiten Schritt gehe es dann um „einzelbetriebliche Investitionsförderung“, da Rethem nach wie vor als extrem strukturschwache Region gilt. Zwei Interessenten, so Moll gegenüber der WZ, hätten bereits ihr Interesse an einer Ansiedlung signalisiert. Sollte der „Bescheid an Weihnachten unter dem Gabentisch liegen“, so Moll, könne zeitnah mit der Umsetzung begonnen werden, deren Abschluss nach rund zweijähriger Bauzeit im März 2020 sein könnte. Das Ziel sei ambitioniert, aber umsetzbar: „Das ist schon eine Wahnsinnsaufgabe, weil alles, Dach, Hülle, Turm, Böden, aus Asbest ist.“ 

Abschließend gab Moll dem Wirtschaftsminister Hausaufgaben für die kommende Legislaturperiode mit auf den Weg. Es wäre wünschenswert, passgenauere Förderinstrumente und Förderkriterien für ehrenamtlich durchgeführte und nicht renditeorientierte Projekte – wie die Egra – zu entwickeln. Lies versicherte, dass das Wirtschaftsministerium bereits daran arbeite, die Flexibilität von Programmen zu verbessern.

 

Quelle: Walsroder Zeitung vom 10.10.2017, Bericht: Dirk Meyland

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