Nicht meckern, sondern machen

Er arbeitet bereits im niedersächsischen Landtag – bislang ohne Sitz im Plenarsaal:
Noch ist Sebastian Zinke Referent für Innenpolitik und Recht im Innenministerium

Sebastian Zinke
Sebastian Zinke "Nicht meckern, sondern machen!" wu


Walsrode/Wietzendorf. Er arbeitet bereits im niedersächsischen Landtag – aber bislang ohne Sitz im Plenarsaal: Noch ist Sebastian Zinke persönlicher Referent der SPD-Fraktionsvorsitzenden Johanne Modder und Referent der SPD-Landtagsfraktion für Innenpolitik und Recht, „ausgeliehen“, vom Innenministerium. Doch der 36-Jährige will künftig selbst als Landtagsabgeordneter an den Entscheidungen mitwirken, will die Region in Hannover vertreten, Projekte aus dem Heidekreis beim Land vorbringen. Dazu kandidiert er für die SPD im Wahlkreis 43 Walsrode, zu dem auch Wietzendorf gehört.

Dabei strebt Zinke bewusst das Direktmandat an – Bundestagsabgeordneter Lars Klingbeil ist da sein Vorbild. Auf der Landesliste ist er nur pro Forma vertreten – mit dem letzten Platz, Nr. 87. „Ich habe mich auf keinem Parteitag am Platzwettstreit beteiligt und wurde dann einfach unten angefügt. Ich will nicht über die Parteischiene in den Landtag einziehen“, sagt er. „Ich bewerbe mich bei den Menschen aus der Region und will direkt von ihnen beauftragt werden.“
Warum er das macht, warum er kandidiert? „Weil ich die Region mag und möchte, dass sie vorankommt und eine Zukunft hat“, sagt er schlicht. „Man kann nicht nur schimpfen, es geht nur, wenn man macht – und einer davon möchte ich sein“, erklärt Zinke seine Motivation. Der Benefelder weiß: Dabei kommt es bei vielen Fragen auf einen langen Atem an. Sein Vorbild ist da der frühere SPD-Landtagsabgeordnete Dieter Möhrmann und dessen Engagement für die Heidebahn: In den 1980er-Jahren setzte sich der Schneverdinger für den Erhalt der Strecke ein, 2016 war sie komplett ertüchtigt. Zinke will dafür aber noch weitere Vorstellungen, die er mittel- bis langfristig verwirklichen will: die S-Bahn-Anbindung von Hannover in den Heidekreis. Wieweit? Möglichst weit nach Norden, sagt er. „das kann man nicht in fünf Jahren umsetzen, aber mit kleinen Schritten kommt man zum Ziel.“ Und für so eine Maßnahme könne man nur als Region kämpfen, „sonst macht es keiner“.

Energischer Einsatz für kostenlose Bildung
Ein politischer Schwerpunkt liegt für Zinke auf der Hand: Chancengleichheit und Bildung. „Ich war der erste aus meiner Familie, der Abitur machen und studieren konnte“, erklärt der 36-Jährige. Acht Geschwister, der Vater Tierpfleger im Vogelpark, die Mutter Hausfrau – da weiß er aus eigener biografischer Erfahrung: „Die Chance zum Aufstieg in der Gesellschaft besteht nur über Bildung.“ So steht für Zinke denn auch fest: „Bildung darf in Niedersachsen nichts kosten.“

Die Studiengebühren seien bereits abgeschafft, nun müsse es bei den Kleinen weitergehen. Denn Bildung beginne nicht erst mit der Einschulung, sondern bereits in den Kindertagesstätten, und auch deren Besuch dürfe die Eltern nichts kosten, will er in der kommenden Legislaturperiode die Elternbeiträge abgeschafft sehen. „Kein Kind darf in unserer Gesellschaft zurückgelassen werden. Jeder junge Mensch muss seinen Fähigkeiten entsprechend gefördert werden, die Bildungschancen dürfen nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängig sein.“

Auch sein zweites Thema liegt auf der Hand: Sicherheit.
„Mit Sicherheit die richtige Wahl“, wirbt Zinke selbst doppeldeutig für sich. Denn in dem Bereich kennt er sich aus: Der 36-Jährige ist nach seinem Jura-Studium zur Polizei gegangen, war zuletzt Leiter des Zentralen Kriminaldienstes für die Kreise Verden und Osterholz. „Wenn sich die Menschen in ihrer Umgebung nicht sicher fühlen, geht der Zusammenhalt in der Gesellschaft verloren. Ein soziales und gerechtes Land kann es nur geben, wenn wir darauf achten, dass sich alle Menschen, die in unserem Land leben, an die Regeln halten“, so seine Erfahrung. 1000 zusätzliche Polizisten werde Niedersachsen im Falle eines SPD-Wahlerfolgs einstellen, kündigte er an.
Doch genauso wichtig sei die Ausstattung. Streifenwagen müssten mit mobilen Endgeräten versehen werden, damit die Beamten schon von unterwegs ihre Berichte schreiben könnten. Und die Gesetze müssten an die technische Entwicklung, an Internet und digitale Kommunikation angepasst werden: Denn dadurch verändere sich die Gesellschaft und auch die Kriminalität. Die Polizei müsse die Möglichkeit haben, dort unterwegs zu sein, wo auch die Täter unterwegs sind: zum Beispiel im Internet oder auf Kanälen wie Whatsapp, sagt Zinke, für den in diesem Zusammenhang auch die Vorratsdatenspeicherung ein legitimes Mittel ist.

All das soll dazu beitragen, das Wirklichkeit werden zu lassen, was Zinke sich für das Land Niedersachsen und die Bundesrepublik in 20 Jahren wünscht: „Ein Land, in dem es in allen Teilen gleiche, gute Lebensverhältnisse gibt. Sicher, erfolgreich und starker Teil eines hoffentlich vereinigten Europas.“

 

Quelle: Böhme-Zeitung vom 06.10.2017, Autor: Wulfes Andres

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